Es lebe der Parasympatikus

– Eine Geschichte zum Schmunzeln –

Es gibt Momente im Leben, die sind einfach prädestiniert dafür , unseren Blutdruck hochzutreiben. Die Frage ist nur, wie wir mit diesen umgehen. Einen dieser Momente möchte ich heute mit Ihnen teilen.

Während die einen sich in ihrem Urlaub erholen, schnellt bei anderen schon der Adrenalin Spiegel bereits vor der Abreise in die Höhe.

Nun gehöre ich als Sternzeichen Löwe nicht von Natur aus zu den geduldigsten Menschen. Jahrelanges Autogenes Training und Yoga sollten jedoch dazu beigetragen haben, meinen Parasympatikus – also den Teil des Nervensystems, der für gesunde Gelassenheit sorgt, zu pflegen, und meine wilden Pferde des Sympatikus, der Anteil, der für Fluchtverhalten und Agressivität sorgt, zu bezähmen.

Drei Tage vor meinem Abflug nach Kanada, den Koffer noch nicht gepackt, eine endlose Liste von Erledigungen vor mir, stelle ich fest, daß mein Paß eine 6-monatige Gültigkeit aufweisen muß. Ich blinzle mit Schreck auf das Ablaufdatum, und siehe da, dieses besagt „3. November“, also knappe 3 Monate verbleibende Gültigkeit.

 Typische weniger sympathische Sympatikussymptome wie Herzklopfen, erhöhte Atemfrequenz, oder erhöhter Blutdruck bleiben wider Erwarten aus. Stattdessen springt mein Gehirn ein und sucht nach Lösungen – es bleibt nur, sofort einen vorübergehenden Paß zu beantragen. Auf zur Stadtverwaltung!

Ich mache mich also sofort auf den Weg, überlegend, daß mittags wohl am wenigsten los wäre. Stolz auf meine strategisch überlegene Planung, betrete ich das Verwaltungsgebäude ca. 12 Uhr. Während ich mich frage, was es wohl mit den armen in Schlangen wartenden Menschen auf sich hat, die die Gänge rechts und links säumen – sicherlich wird es sich um langwierige Aufnahmeanträge, Heiratsurkunden oder dergleichen handeln – gehe ich selbstbewußt zur Antragsstelle und ziehe dort eine Besucher Nr. (siehe Bild)

Was dieser kleine Zettel sagt, ist ungefähr folgendes:

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben heute 80 Besucher vor sich!

Noch einmal fokussiere ich meine Pupillen, nur um sicher zustellen, daß meine Wahrnehmung mich nicht täuscht. Das Ergebnis bleibt jedoch das Gleiche.

Im Hintergrund nehme ich die leisen bis genervten Laute der Wartenden mit, die ihren Sympatikus nicht sonderlich im Griff zu haben scheinen.

Da ich merke, daß auch mein Sympatikus mich gerade zur Flucht anspornt, oder alternativ zu einer internen Explosion, gehe ich doch mal zur Information. Ich teile der sehr gelassenen Dame mit (diese muß speziell für so etwas abgerichtet sein oder nimmt ein spezielles Müsli zu sich- ich muß noch einmal nachfragen), daß es sich wohl um einen Irrtum handelt, da ich nur einen banalen Reisepass beantragen möchte. Der letzte Antrag hat in einem Vorort gerade 5 Minuten gedauert.

Gleichzeitig spähe in die Reihen der „schwer beschäftigten“ Verwaltungsangestellten, die mir anfangen, aufgrund ihrer offensichtlichen Überlastung aufrichtig leid zu tun. Zu meinem Erstaunen sehe ich zwischen vielen leeren Tischen genau zwei arbeitende Personen. Ich schaue vorsichtshalber noch einmal unter den Tischen nach – ergebnislos.

Leider kennt die Dame kein Pardon, lächelt verständnisvoll – oder war es sarkastisch? – und überläßt mich meinem Schicksal. Schlau, wie ich bin, versuche ich es noch einmal, und frage, ob ich nicht zu einer anderen Verwaltung gehen könnte, auch dieser Versuch blieb erfolglos.

Nun ja, nach guter Zen Philosophie versuche ich das beste aus der Situation zu machen, einen Schicksalswink jeglicher Art immer positiv zu betrachten, wende die Atemtechnik an, und erkenne den Lichtblick, welcher direkt durch die Fenster scheint: herrliches Sommerwetter bei fantastisch blauem Himmel. Zeit, eine Bummel durch Osnabrück zu machen, etwas, was ich seit Jahren nicht gemacht habe – welch ein Genuß!

2 Stunden später

Wieder zurück, freue ich mich, dass ich dem Schicksal so ein Schnippchen geschlagen habe. Erfrischt kann es jetzt auch weitergehen.

Doch ist das nicht der gleiche Schnauzbart, der dort sitzt, wie vorhin? Und das Kind, das hat das gleiche rosa Lillyfee Kleid an, wie das, welches vor zwei Stunden schon hier war, oder täusche ich mich?

So langsam merke ich, wie all meine Ratschläge aus meinen eigenen Bluthochdruck Seminaren bis aufs äußerste gereizt werden. Doch ich bin immer noch relativ gelassen.

Leider kann ich auch nicht wie Mr. Bean in seinem „Wartezimmer“ – Sketch heimlich mein Ticket mit einer niedrigeren Nummer eines anderen Besuchers austauschen. Es wäre einfach zu auffällig, jedes Ticket unter Augenschein zu nehmen. Geschlafen hat leider auch keiner.

Zurück zu angewandten Anti-Bluthochdruck Strategien zücke ich letztendlich mein Buch, vertraue auf das „Gute“ in der Welt und daß diese Zeit auch irgendwann vorbei sein würde. Ach, bin ich stolz auf mich!

Endlich scheinen sich die bis dato irgendwie unsichtbaren Verwaltungsangestellten einen Ruck gegeben zu haben – bekommen die ein Anti-Mitleids- und Härte Training ? –  werden wieder sichtbar nach 2,5 Stunden! Mittagspause, und sitzen wieder an ihren Schreibtischen. Und endlich geschieht auch das Wunder – B 291 wird aufgezeigt (oder habe ich gar nicht mehr B 291?). Gott sei Dank hatte ich den Zettel nicht irgendwo verloren.

Den Rest möchte ich Ihnen gar nicht weitererzählen. Wenn Sie denken, daß die Geschichte hier zu Ende ist, haben Sie sich getäuscht.

Der nette Beamte – er machte einen sehr ausgeruhten und zufriedenen Eindruck – schaut sich meinen Paß an und meint:

 „SIE WISSEN, DASS IHR PASS BIS 2013 GÜLTIG IST“?

Ich lachte nur, und fand, dass es kaum eine bessere Situationskomik geben könnte. Wie gut, einen so gut trainierten Parasympatikus zu haben. Dieser hat nur wieder einmal an Stärke gewonnen – danke liebe Verwaltung!

Und die Moral von der Geschicht?

– Plane immer im vorhinein!

– Bewahren Sie immer Ruhe, auch wenn Sie geschlagene 4 Stunden warten müssen!

– Beamte können auch mal unsichtbar sein!

– Wartezimmer sind hervorragende Orte, um den Sympatikus zu erziehen!

– Lassen Sie nie zu, daß äußere Umstände Ihren Blutdruck hochtreiben!

– Es lebe der Parasympatikus!

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Herzensgrüße

Ellen Ginger

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